Tom erzählt über sein Coming Out

Tom erzählt über sein spätes aber notwendiges Coming Out:
Das erste Mal, das ich gemerkt habe, dass ich nicht in die klassische Schublade Hetero passe, war mit 12 Jahren. da hatte ich meine ersten erfahrungen gesammelt,
Aber aufgrund der damaligen Lebensumstände aufn Dorf bin ich erst seit 2013 (da war ich 38J) geoutet.
Da ich aber auf dem Land in Bayern groß geworden bin, war das Thema schwul sein ein absolutes No-Go-Thema. Es gab ein paar prägende Situation in der Schulzeit, die mein Leben so stark beeinflussten,
dass ich mich all die Jahre selbst verleugnet habe und mein wahres Ich verdrängte.
Bis 2013 habe ich dann also (Bi-)Hetero gelebt, so verunsichert war ich. Ich war sogar so weit gegangen, dass ich eine Frau heiratete, mit der ich 2 liebe Töchter habe.
(die ich nie mehr missen möchte)
Ich hatte zwar bis zur Heirat immer wieder schwule Abenteuer aber die Verleugnung/Verdrängung hat so gut funktioniert, dass es bis 2013 gehalten hat.
Wie ich dann doch draufgekommen bin das das Bi-Hetero sein nicht mein Leben ist war dann so:
Meine jetzige Exfrau lernte ich damals im Oktober 2000 in einen schwulen Chat kennen.
Sie war dort, da sie nicht angebaggert werden wollte, weil sie in Scheidung lebte. Ich war in dem Chat, um mal wieder meiner Lust Genüge zu tun.
Wir haben uns unterhalten und fanden uns auf Anhieb sympathisch. Da ich reiselustig bin, habe ich damals gesagt das ich auf einen Kaffee nach Wien komme zum Quatschen. mehr nicht.
Wir waren uns dann so sympathisch das es auch gleich gefunkt hat und ich zog nach Wien, weil eine Fernbeziehung für uns beide nicht in Frage kam.
Die Probleme fingen aber schon ein halbes Jahr nach unserem Zusammenkommen an. Ich hatte immer weniger Lust mit Ihr zu Schlafen und schaute mir dann immer wieder Gay-Pornos an.
Wir versuchten zwar meine Lust auf Männer in unsere Beziehung mit einfließen zu lassen, aber das war für uns beide echt mühsam. Es ging sogar so weit das wir in einen BI-Swingerclub gingen.
So lief es bis 2013, doch dann hatte ich ein einschneidendes Erlebnis in der Wiener Gay-Bar Red Carpet, was mich mein Leben total umkrempeln ließ.
Mir hatte da ein Kellner mit aquamarienen Haaren so gut gefallen. ich hatte nichts mit ohm und der abend war echt lustig, so das ich am nächsten Tag der Knopf aufging
und mir klar wurde das ich mint meinen damaligen Leben auf dem Holzweg war.
Ich konnte so nicht mehr weiter Leben. Mein inneres Coming-out war vollzogen ich war mir jetzt sicher „Ich bin Schwul“! Ich habe mich dann in der Familie geoutet.
Bis 2016 versuchten wir trotz allem, meine Neigung in die Ehe zu integrieren, aber das funktionierte nicht so wie wir uns das vorgestellt hatten,
obwohl meine Exfrau nichts unversucht lies. Wir stritten immer mehr …. Bis ich dann ein paar Tage nach meinem Geburtstag 09/2016 die Reißleine zog, Schluss machte und zu einem hetero Freund zog.
Im Mai 2017 bekam ich dann eine Wohnung in der ich bis März 2020 wohnte. denn im März 2020 habe ich meinen jetzigen Mann und Partner kennen gelernt.
Da zu der Zeit der 1. Lockdown war, war ich dann eigentlich ab März bei ihm in der Wohnung und ich Juli zog ich dann fix ein. Wir sind jetzt ein fixes Paar und haben vor miteinander Alt zu werden.
Wie leben eine sexuell offene Beziehung. diese klappt sehr sehr gut denn wir beide wissen, das alles was mit sex zu zun hat, nicht mit unserer Beziehung zu tun hat.
Wir lieben es geneinsam mit anderen unsern Spaß zu haben.
Aus heutiger sich war mein Umzug nach Wien die beste Entscheidung in meinem Leben. Auch mein Outing hat mich dermaßen befreit das ich jetzt ein echt freies und offenes Leben leben kann.
Meine beiden Töchter haben mein Outing auf Anhieb akzeptiert und toleriert. Für die beiden war es wie eine normale Trennung, wie es andere Eltern auch machen.
Meine Töchter sind auch stolz drauf das ihr Vater bunt gay lebt.
Ich bin froh mich geoutet zu haben. ich bin froh jetzt einen sehr lieben Partner gefunden zu haben. Ich wünsche euch die sich Outen wollen, macht es! es befreit innerlich extrem.
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