Immer eine größere Anzahl CSU-Volksvertreter für Öffnung der Blutspende

In Deutschland wird die konservative Front gegen diskriminierungsfreie Blutspenden zunehmend geknackt.

In Deutschland zittert die Front gegen diskriminierungsfreie Blutspenden: Obwohl in Österreich ÖVP und das Rote Kreuz besonders gegen einen fairen Zugang zu schwulen und bisexuellen Männern sind, will in unserem Nachbarland jetzt auch ein CSU-Politiker Blut spenden Die Teilnehmer werden anhand ihres Risikoverhaltens bewertet.

12-Monate-Frist „fachlich nicht begründbar“
Bisher haben in Deutschland -auch wie in Österreich - Männer, die Sex mit Männern haben, 12 Monate gewartet, bevor sie Blut gespenden konnten. Der CSU-Gesundheitspolitiker Stephan Pilsinger vom Münchner Merkur hat am Samstag eine Verkürzung dieser Zeit auf 6 bis 8 Wochen beantragt. Durch die Kontrolle der modernen Antikörpertests kann festgestellt werden, ob nach dieser Zeit eine HIV-Infektion vorhanden ist. Daher sei nur dieses Zeitraum entscheidend, sagte Piersinger. Der Politiker sagte, die derzeitige Einjahresfrist sei eine willkürliche Grenze und könne nicht mehr beruflich gerechtfertigt werden. Neben seinen Sitz im Bundestag sei er auch als Hausarzt im Grossraum München tätig. Die Koalition von CDU / CSU und SPD sollte dem Bundestag einen entsprechenden Vorschlag voerlegen.


Risikoverhalten statt Risikogruppe
Pilsinger sagt, dass es auch einen Unterschied machen muss, „ob jemand einen festen Partner oder wechselnde Partner hat – und ob der Verkehr geschützt oder ungeschützt war“, unabhängig von der sexuellen Orientierung. Bei Homo- wie Heterosexuellen müsse doch „das individuelle Risikoverhalten“ ausschlaggebend sein und „keine Pauschalität“. Ansonsten wäre die Beschränkung eine ungerechtfertigte Diskriminierung an die Personen.

Besonders könne es sich die Gesellschaft nicht leisten, potenzielle Blutspender:innen ohne medizinisch gerechtfertigten Grund nicht anzunehmen. Welche dramtischen Auswirkungen das haben kann, wurde letztes Jahr in Österreich ersichtlich, als die Wissenschaft dringends nach Covid-19-Genesenen gesucht hat, um mit deren Blutplasma intensiv Erkrankten zu helfen – und schwule Männer, die hilfsbereit waren, abweisen musste.

Immer viel mehr CSU-Abgeordnete schwenken zur diskriminierungsfreien Blutspende
Es ist schon die zweite Stimme innerhalb der CSU, die sich für eine diskriminierungsfreie Blutspende eingesetzt hat. Anfang März hat sich Stefan Müller, Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe im Bundestag, für ein Ende der Ungleichbehandlung eingesetzt und sagte „Es ist Zeit, dass das #Blutspende-Verbot für Homosexuelle vollständig gekippt wird. Die jetzigen Einschränkungen sind nicht nur lebensfern und diskriminieren Homo- und Bisexuelle, sondern sie sind auch medizinisch gar nicht notwendig“, schrieb Müller auf Twitter.

Als Folge der Aids-Krise in den 1980er Jahren waren Männer, die Sex mit Männern haben, und trans Menschen auch in Deutschland sehr lange vollständig von der Blutspende ausgeschlossen. Seit dem Jahr 2017 dürfen zumindest schwule und bisexuelle Männer Blut spenden – wenn sie in den 12 Monaten vor der Spende keinen gleichgeschlechtlichen Sex hatten.

Ärztekammer verteidigt langen Ausschluss von MSM noch weiter
In den Richtlinien der Bundesärztekammer werden Männer, die Sex mit Männern haben, noch immer pauschal einfach als besondere Gefahrengruppe gesehen: Das hat sie letzte Woche in einer Pressemitteilung noch bestätigt. Die „Zulassungskriterien zur Blutspende bei sexuellem Risikoverhalten“ basierten ausschließlich auf „evidenzbasierten, wissenschaftlichen Erkenntnissen und Daten“, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung mit mehreren medizinischen Organisationen.

In Österreich hat der ehemalige Gesundheitsminister Rudolf Anschober von den Grünen angekündigt, die Wartefrist für schwule und bisexuelle Männer von 12 auf 4 Monate zu reduzieren. Ein komplettes Ende der Diskriminierung scheitert derzeit am Koalitionspartner der ÖVP und dem Roten Kreuz, das sich als größter Anbieter für Blutspenden gegen große Änderungen ausspricht. Allerdings haben weder Anschober noch sein Nachfolger Wolfgang Mückstein bis datto diese Ankündigung umgesetzt – trotz vielfacher Erinnerung durch die Opposition.



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